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Mittwoch, 14. Januar 2026

Winterreise durch Syrien

In den Winterferien begab ich mich wieder auf Reisen. Dieses Mal zunächst für ein paar Tage nach Syrien, einem spannenden und historisch bedeutsamen Land in der Übergangsphase nachdem Endes des Bürgerkrieg unter Langzeitherrscher Baschar al-Assad und dem Wiederaufbau und der Rückkehr Millionen Hilfesuchender Weltweit. 

Wintertour in Syrien

Ausgangspunkt meiner geführten 4-Tages Tour im Nahen Osten war zunächst Beirut, die Hauptstadt des syrischen Nachbarland Libanon. Beirut wurde vom Veranstalter gewählt da hier mehrere Flugverbindungen angeboten werden. Da ich den Libanon im Jahr 2019 bereits ausführlich bereist hatte, genügte mir ein halber Tag nach meiner Ankunft. Ich spazierte an der Corniche entlang und ging in Stadtteil Hamra mit Mitreisenden der Tour zum Abendessen. Am nächsten Morgen wurden wir nach dem Frühstück mit einem Reisebus abgeholt und in Richtung libanesisch-syrischer Grenze gefahren. Die Fahrt dorthin dauerte etwas weniger als 2 Stunden. Unterwegs hielten wir am Schild „Welcome to Syria“.

Ankunft in Syrien - Mein Land Nr. 120
Der Grenzübertritt verlief weitgehend ereignislos, aber auch sehr langsam. Am Mittag erreichten wir schließlich die syrische Hauptstadt Damaskus und trafen unsere lokalen Reiseführer Alaa und Ayoub am Bab Touma, dem Thomastor aus dem 17. Jahrhundert.

Bab Touma - Thomastor in Damaskus

Zusammen unternahmen wir einen Spaziergang durch die Altstadt, welche als der älteste bewohnte Stadtteil der Welt gilt. Die Hauptstraße Via Recta wird sogar in der Bibel erwähnt. Zuerst aßen wir Schawarma im El Burj, dem „Turm“, dem berühmtesten Schawarma-Imbiss der Stadt. Anschließend besuchten wir die Holzwerkstatt von George Sliman. Dort fertigen er und seine Brüder (und schon ihr Vater und Großvater vor ihnen) wunderschöne traditionelle Schachteln, Schachbretter usw. mit lokalen Motiven aus Mosaiken. Danach gingen wir zur Kirche Haus des Sankt Ananias, dort wurde Saulus im Jahr 34 n. Chr. getauft und später zum Apostel Paulus. 

Anstehen für den El Burj Schawarma

Holzwerkstatt von George Sliman

Innenhof der Kirche Haus des Sankt Ananias

Spaziergang durch die Altstadt von Damaskus

Wir setzten unseren Spaziergang durch die alten Souks fort. Der Souk Al-Hamadiye, der in seiner heutigen Form aus dem späten 19. Jahrhundert stammt, verdankt seinen Namen dem osmanischen Sultan Abdul Hamid II., der ihn mit seinem hohen Metalldach über den zweistöckigen Ladenfassaden umgestalten ließ. Der 500 m lange Souk wurde entlang der ursprünglichen Achse und der Prozessionsstraße der römischen Stadt errichtet, die zum gewaltigen Jupitertempel führte, der heute die Große Umayyaden Moschee ist.

Eingang vom Souk Al-Hamadiye

Der Höhepunkt des Tages war zweifellos diese Moschee, eine der größten und ältesten der Welt und die viertheiligste Stätte des Islam. Sowohl die christliche als auch die muslimische Tradition betrachten sie als die Grabstätte des Hauptes von Johannes dem Täufer. Der Ort wird seit der Eisenzeit als Kultstätte genutzt, als die Aramäer einen Tempel für ihren Regengott Hadad errichteten. Unter römischer Herrschaft wurde er zum Jupitertempel. Im 4. Jahrhundert wandelte Kaiser Theodosius ihn in eine Kathedrale um. Nach der muslimischen Eroberung von Damaskus im Jahr 634 wurde ein Teil der Kathedrale zu einem kleinen Gebetshaus für die muslimischen Eroberer. Mit dem Wachstum der muslimischen Gemeinde konfiszierte der Umayyadische Kalif al-Walid I. den Rest der Kathedrale und gab den Christen andere Besitztümer in der Stadt als Entschädigung.

Große Umayyaden Moschee in Damaskus

Gebetsraum der Umayyaden Moschee

Nach der Moschee setzten wir unseren Spaziergang fort und machten Halt im Bakdash-Eiscafé, das 1895 gegründet wurde und für sein traditionelles orientalisches Booza bekannt ist, ein gefrorenes Milchdessert, das durch Stampfen und Dehnen in einer Gefriertrommel hergestellt wird. Nach der Nachspeise gingen wir ins Naranj zur Hauptmahlzeit, eines der besten Restaurants der Stadt und genossen dort ein vielfältiges Abendessen. Danach war es Zeit für eine erste Nacht in Damaskus. 

Spaziergang durch die Altstadt und Souk

Booza im Bakdash-Eiscafé

Abendessen im Restaurant Naranj

Am nächsten Morgen ließen wir die Altstadt hinter uns und fuhren an den östlichen Stadtrand. Dort sahen wir zum ersten Mal die Zerstörungen des jüngsten Konflikts. Wir besuchten das Gebiet von Jobar, den am schwersten betroffen Vorort von Damaskus, der die Frontlinie zwischen der ehemaligen Assad-Regierung und den Oppositionsfraktionen bildete. Wir sahen ein fast unvorstellbares Ausmaß an Zerstörung und gingen durch geheime Versorgungs- und Fluchttunnel der einstigen 80.000 Bewohner. Hier soll auch einer der Chemiewaffenangriffe Assads während des Krieges stattgefunden haben. 

Zerstörung in Jobar

Ausblick auf Jobar

Komplette Zerstörung

Spaziergang durch Jobar

Anschließend fuhren wir nach Maalula, einer kleinen christlichen Stadt 65 km nördlich von Damaskus. Diese Stadt ist eine der letzten der Welt, in der noch Aramaic gesprochen wird. Die Sprache die einst Jesus Christus sprach. Wir besichtigten das Kloster Sergius und Bacchus. Dabei hörten wir ein Gebet in Aramaic. 

Ausblick über Maalula

 Kloster Sergius und Bacchus

Gebetsraum des Kloster

Außerdem erkundeten wir das nahegelegene Saffeer Hotel. Bis 2013 war es ein Vier-Sterne-Hotel mit vielen internationalen Gästen, doch heute ist es nur noch eine Ruine voller Schutt und Asche.

Ruine des Saffeer Hotels oberhalb von Maalula

Katze beim Saffeer Hotel

Danach liefen wir durch den Tekla-Canyon hinab ins Zentrum von Maalula. Dort besichtigten wir abschließend noch das Kloster Saint Tekla samt Schrein, bevor wir weiter nach Norden bis nach Homs fuhren. 

Durch den kleinen Tekla-Canyon

Kloster Saint Tekla

Schrein im Kloster

Ausblick vom Kloster auf Maalula

In Homs der drittgrößten Stadt Syriens, besuchten wir am Nachmittag die St.-Marien-Kirche des Heiligen Gürtels, Sitz der syrisch-orthodoxen Kirche, wo ein Gürtel der Jungfrau Maria ausgestellt ist. Danach besichtigten wir auch die Khaled Ibn Al-Walid Moschee im osmanischen Stil, die jedoch aus dem 20. Jahrhundert stammt. Auch in Homs warfen einen Blick auf das verwüstete Viertel gegenüber der Moschee. Homs war neben Aleppo die am stärksten zerstörte Stadt des Landes. Dann setzten wir unsere Fahrt nach Aleppo fort und erreichten das Restaurant Cordoba pünktlich zu einem schönen Weihnachtsessen. 

St.-Marien-Kirche des Heiligen Gürtels

Khaled Ibn Al-Walid Moschee

Unterwegs in Homs

Weihnachtsessen in Aleppo

Den folgenden Vormittag verbrachten wir dann in Aleppo, der zweitgrößten Stadt des Landes. Wir begannen den Tag mit einem Spaziergang vorbei am verlassenen Baron Hotel. In seiner Blütezeit beherbergte es berühmte Gäste wie Lawrence von Arabien und Agatha Christie. Danach ging es vorbei an der Großen Umayyaden Moschee, die sich momentan im Wiederaufbau befindet. 

Ausblick auf Aleppo

Aleppo am Morgen

Spaziergang durch Aleppo am Weihnachtstag

Aufbauarbeiten der Umayyaden Moschee in Aleppo

Schließlich erreichten wir die Zitadelle von Aleppo. Unsere Guides zeigten uns die ehemaligen Wasserbehälter, das Hammam, den Thronsaal und genossen einen wunderschönen Panoramablick über die Stadt. 

Zitadelle von Aleppo

Teile meiner internationalen Reisegruppe

Innenansicht der Zitadelle von Aleppo

Ausblick auf Aleppo

Danach besuchten wir den Souk von Aleppo. Er ist mit 14 Kilometern der längste Souk der Welt. Leider wurde auch er im Krieg und bei einem Erdbeben von 2023 Großteiles zerstört. Wir sahen aber auch, dass er langsam wieder aufgebaut wird. Im Souk besuchten wir zudem die Seifenfabrik Jebeili, die letzte erhaltene Seifenfabrik in Aleppo. Sie befindet sich seit 300 Jahren im Besitz derselben Familie. Dort wurde uns die Seifenherstellung erklärt und hatten die Möglichkeit frische Seife zu erwerben. 

Wiederaufbau des Souk von Aleppo

Unterwegs im Souk von Aleppo

Besichtigung der Seifenfabrik Jebeili

Nachdem Mittagessen in Aleppo fuhren wir wieder zurück in den Süden. Nach rund 230 km erreichten wir die Kreuzritterburg Krak des Chevaliers. Sie ist eine der berühmtesten Festungen aus der Zeit der Kreuzzüge. Sie wird in arabischen, lateinischen, griechischen und armenischen Chroniken erwähnt. Die Festung beherrscht die Ebene, die die Küste mit dem syrischen Hinterland verbindet. Dieser Korridor ist unter dem Namen „Homs-Lücke“ bekannt, und seine strategische Bedeutung führte zu zahlreichen Konflikten zwischen Kreuzrittern und Muslimen.

Zugang zu Krak des Chevaliers

Kreuzritterburg Krak des Chevaliers

Sonnenuntergang am Krak des Chevaliers

Ausblick auf Krak des Chevaliers

Anschließend fuhren wir die verbliebenen 200 km zurück nach Damaskus, wo wir am späten Abend ankamen. Wir genehmigten uns ein schnelles Abendessen und besuchten zum Ausklang das beliebte Café Al Qishla. 

Tour Abschluss im Café Al Qishla in Damaskus

Am nächsten Morgen unternahmen wir noch einem letzten Spaziergang durch die Altstadt von Damaskus für Besorgungen aller Art. Danach war es Zeit sich von unseren lokalen Reiseführern Alaa und Ayoub zu verabschieden und mit unserem Reisebus zurück nach Beirut zu fahren.

Spaziergang durch die Altstadt von Damaskus

Die Rückfahrt und der erneute Grenzübertritt verliefen ereignislos. So kamen wir planmäßig in Beirut an und ich wurde mit ein paar weiteren Mitreisenden direkt am Flughafen abgesetzt.